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Drei Quadratmeter


Manchmal fragte er sich, warum sie ?berhaupt da war. Sie sah ihn ja doch nicht an, l?chelte nur manchmal und st?hnte ein bisschen. Dann zog sie ihren Rock wieder hoch und ihren kleinen, braunen Hut auf und ging wieder. Er fragte sich, was sie ?berhaupt davon hatte.

Er stellte sich vor, wie sie ging, die Stra?e hinab, mit eben diesem kleinen, braunen Hut, der ihr tief im Gesicht hing, als wolle er sagen Bitte, sieh mich blo? nicht an, ich bin nur ein kleiner, brauner Hut. Ja, da ging sie mit diesem Hut und sie sprach zu niemandem, stieg irgendwann in den Bus an der dritten Ecke ein, der eine Stra?e weiter fuhr, bis sie sich in Sicherheit wog. Dann konnte sie endlich den Hut abnehmen und auch den Rock ein bisschen faltiger machen und sie war gesch?tzt vor den b?sen Menschen, die ihr etwas tun wollten, ihr, der Spionin f?r eine geheime Organisation namens Sieger & Helden GmbH.
Er dachte sich gerne so etwas aus, schlie?lich war es befriedigender als die Wahrheit und wer wollte nicht einmal mit einer Spionin schlafen? Es war nicht so, dass er ihren Hut nicht mochte, er mochte nur ihr Gesicht ein bisschen lieber.

Als sie das n?chste Mal bei ihm war, fragte er sie, ob sie manchmal Bus fuhr. Sie zog die Nase hoch, denn sie hatte ein wenig Schnupfen, und sagte, nein, sie liefe eigentlich gerne. Er nickte, schwieg und erinnerte sich an irgendeine Liedzeile von irgendeinem Lied, das einmal, vor langer Zeit besonders gewesen war und er summte es vor lauter Langeweile ein wenig vor sich hin. Sie schniefte wieder und wippte mit den F??en auf und ab. Ihr Rock war ganz glatt, auch wenn er nicht wusste, wie das ging, denn sie sa? mit ?bereinander geschlagenen Beinen dort und es war, als ob sie eine Tinktur ?ber sich ergossen hatte, die Falten abwies. Das w?re einmal eine Idee, sagte er sich, wenn er genial genug w?re, so etwas zu erfinden, dann w?re er reich, dann k?nnte er ihr endlich einen Quadratmeter des Mondes kaufen, das ging n?mlich, das hatte er an diesem schw?len Tag neulich in der Zeitung gelesen und gleich an sie gedacht. Deshalb fragte er sie jetzt, ob sie den Mond mochte. Sie sagte nein. Gut, dachte er, dann lasse ich das mit dem Quadratmeter, doch er fragte sich, wie jemand den Mond nicht m?gen konnte, denn eigentlich mochte den doch jeder.

Er wusste nicht genau, was sie mochte. Sie hatte zwar einmal erz?hlt, sie mochte Kirsch-Eis, weil das so sch?n rot war, doch er konnte ihr ja nicht immer Kirsch-Eis schenken. Er wusste nicht, wo sie wohnte. Zumindest hatte er au?er auf der Stra?enkarte ihre Umgebung noch nie gesehen.

Einmal hatte sie ihn angerufen. Und geweint, das hatte er genau geh?rt, auch wenn sie es verneint hatte. Kann ich kommen, hatte sie gefragt. Und er hatte ja gesagt, h?tte auch ja gesagt, wenn sie ihn gebeten h?tte mit nach Gr?nland zu fliegen, jetzt, hier, heute Nacht, nur wir zwei, ganz allein... Er h?tte zu allem ja gesagt. Doch sie hatte nur kommen wollen und sie war auch gekommen und hatte keinen Hut aufgehabt, aber diesen einen gr?nen Regenmantel an, den er gerne an ihr mochte, von dem er immer das Gef?hl hatte, er komme direkt aus der Natur, er w?re ein Gras-Mantel oder ein Baum-Mantel, er war so sch?n gr?n. Als h?tten sich sogar die W?lder mit ihr verbunden und ihr ein Geschenk gemacht. Sie hatte an diesem Abend die Kapuze so weit in das Gesicht gezogen, dass er M?he hatte, ihre Augen zu sehen, die rot waren, Rot neben dem sch?nen Braun. Bitte, hatte sie gefl?stert, lass uns einfach nur warm halten. Und er hatte sie gehalten, gehalten, bis sogar die kalten Schluchzer weg gewesen waren, bis der Mantel auf dem Boden gelegen hatte und ihre Hose auch. Warm gehalten, bis alles warm wurde, sogar er, doch ihm wurde eigentlich immer warm, wenn er sie sah und auch in dieser Nacht und er hatte sich gef?hlt, als l?ge er neben einer W?rmflasche, die so perfekt war, dass sie nicht von au?en, sondern von innen w?rmen konnte. Sie hatte ihm nie erz?hlt, was vor dem Warmwerden passiert war, sie hatte nie erz?hlt, warum sie ?berhaupt gekommen war. Und er hatte nie gefragt.

Er wusste auch nicht, wer ihre Eltern waren oder ihre Geschwister, ob sie ?berhaupt welche hatte und vor allem wusste er nicht, ob er das wissen musste, ob es Vorschrift war, dass man so etwas wusste.

Also den Mond nun weglassen, das notierte er sich in seinem Kopf, eigentlich tat er das immer, wenn sie etwas sagte, nur jetzt noch besonders, weil er daran denken musste, sie zu fragen, warum sie keinen Mond mochte. Jetzt gerade konnte er nicht fragen, es war gegen die Regel, diese Regel mit nur zwei Fragen am Tag, sie mochte n?mlich keine Fragen und auch wenn sie die Regel nie ausgesprochen hatte, wusste er doch, dass sie da war. Sie stellte ihm nie Fragen. Nur einmal hatte sie ihn gefragt Liebst du mich? Und er hatte fast gelacht, weil sie es doch wissen musste, weil sie ihn doch kennen musste, doch er hatte nicht gelacht, sondern einfach ja gesagt. Und da hatte sie gelacht, erst ge-lacht und dann geweint und dann gek?sst. Und er war damit zufrieden, dass sie weinte, solange sie danach k?sste, denn auch wenn er nicht wusste, warum sie weinte, wusste er doch, warum sie k?sste. Er k?sste ja aus demselben Grund, um die gro?e, kalte Decke zu verscheuchen, die sich um den K?rper legte, sodass man kaum noch f?hig war, sich zu bewegen, sodass man nur noch schlafen und zittern konnte. Deshalb k?sste man, aus keinem anderen Grund und alles andere war eine L?ge.
Aber keinen Mond, das fand er schon sehr traurig, obwohl er sonst noch etwas erfinden m?sste, am besten die Faltenabweis-Tinktur. Und das konnte er ja sowieso nicht, er war nicht so genial, er w?rde es gerne sein, aber er war es eben nicht.

Ich m?chte, dass du mir deinen Hut schenkst, sagte er jetzt und sah sie an. Sie sah auf den Boden, wie immer, sie sah ihn eben nie an. Warum, fragte sie, mit einer solchen Bei-l?ufigkeit, dass er schon dachte, sie sei eine gro?artige Schauspielerin anstatt einer Spionin, denn die Spionin w?re doch misstrauisch geworden. Doch Schauspieler k?nnen alles. Nicht misstrauisch werden, wenn man es doch eigentlich ist und nicht weinen, wenn man es doch eigentlich m?chte und auch etwas wahrhaben, obwohl man das nicht so gerne hat.

Er hatte sie wohl irgendwann in der fr?hsten Kindheit kennen gelernt, zumindest verlor er mit ihr regelm??ig das Zeitgef?hl, sodass das wirklich stimmen konnte, seinem Empfin-den nach. Doch eigentlich war es anders gewesen, eigentlich war er vor einigen Monaten mit einem Taxi gefahren und sie hatte gesagt, hallo, wo m?chten sie denn bitte hin? Und er hatte gesagt, er w?sste es nicht mehr, weil ihn ihr Mund so starr gemacht hatte, so stumm und dumpf. Und dann hatte sie gelacht und hatte gesagt, sie w?sste es auch nicht und er hatte auch gelacht und jetzt waren sie eben zusammen. Alles ging so einfach manchmal.
Warum, fragte sie noch einmal, als er nicht antwortete.
Weil ich deine Augen so gerne habe, sagte er und sie sah hoch, nur kurz zwar, doch er hatte ihre Augen gesehen, es war, als h?tte sie ihm das zum Geschenk gemacht. Ich mag meinen Hut aber lieber als du meine Augen, sagte sie und lachte auf, ganz kurz nur, dann erhob sie sich. Ich muss jetzt gehen, sagte sie, etwas zu laut. Er stand auch auf. Nein, bleib noch hier. Nein, ich muss jetzt gehen. Bis Morgen. Warte, sagte er noch schnell und sie drehte sich wieder herum. Darf ich dir einmal den ganzen Mond kaufen, irgendwann, fragte er, auch wenn es heute schon die dritte Frage war. Nein, wenn, dann m?chte ich nur drei Quadratmeter, sagte sie, es muss eng und klein bleiben, der ganze Mond w?re doch viel zu gro?. Aber es ist kalt da oben, bei drei Quadratmetern kann man kein Haus bauen, sagte er. Und sie sagte, wir haben doch den Hut. Und dann lie? er sie endlich gehen, denn sie musste ja gehen, ob nun aus Not oder aus Verlegenheit, sie musste es eben.

Und ihm waren drei Quadratmeter Mond recht, denn Idylle konnte man sowieso ?berall genie?en, warm halten konnten sie sich auch gegenseitig und er wusste schlie?lich soviel ?ber den Mond, dass ihm klar war, der Hut w?rde nicht auf ihrem Kopf bleiben, son-dern irgendwo herumschweben und vielleicht einer Spionin auf den Kopf, die ihn drin-gender brauchte, denn sobald man einmal auf dem Mond ist oder den Mond besitzt, braucht man keine H?te. Da braucht man nur den Kuss, der die schwarze Decke verscheucht. Und den haben wir ja, dachte er und l?chelte. Und dann machte er sich doch an das Erfinden.

3.5.05 23:11
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ann / Website (17.12.05 20:26)
toll =)
der stil gefällt mir seeeehr.


p-o-etin (20.12.05 11:37)
(:
vielen dank.

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