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Sweep on, you fat and greasy citizens.
Shakespeare

(:
1.5.05 02:15


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Drei Quadratmeter


Manchmal fragte er sich, warum sie ?berhaupt da war. Sie sah ihn ja doch nicht an, l?chelte nur manchmal und st?hnte ein bisschen. Dann zog sie ihren Rock wieder hoch und ihren kleinen, braunen Hut auf und ging wieder. Er fragte sich, was sie ?berhaupt davon hatte.

Er stellte sich vor, wie sie ging, die Stra?e hinab, mit eben diesem kleinen, braunen Hut, der ihr tief im Gesicht hing, als wolle er sagen Bitte, sieh mich blo? nicht an, ich bin nur ein kleiner, brauner Hut. Ja, da ging sie mit diesem Hut und sie sprach zu niemandem, stieg irgendwann in den Bus an der dritten Ecke ein, der eine Stra?e weiter fuhr, bis sie sich in Sicherheit wog. Dann konnte sie endlich den Hut abnehmen und auch den Rock ein bisschen faltiger machen und sie war gesch?tzt vor den b?sen Menschen, die ihr etwas tun wollten, ihr, der Spionin f?r eine geheime Organisation namens Sieger & Helden GmbH.
Er dachte sich gerne so etwas aus, schlie?lich war es befriedigender als die Wahrheit und wer wollte nicht einmal mit einer Spionin schlafen? Es war nicht so, dass er ihren Hut nicht mochte, er mochte nur ihr Gesicht ein bisschen lieber.

Als sie das n?chste Mal bei ihm war, fragte er sie, ob sie manchmal Bus fuhr. Sie zog die Nase hoch, denn sie hatte ein wenig Schnupfen, und sagte, nein, sie liefe eigentlich gerne. Er nickte, schwieg und erinnerte sich an irgendeine Liedzeile von irgendeinem Lied, das einmal, vor langer Zeit besonders gewesen war und er summte es vor lauter Langeweile ein wenig vor sich hin. Sie schniefte wieder und wippte mit den F??en auf und ab. Ihr Rock war ganz glatt, auch wenn er nicht wusste, wie das ging, denn sie sa? mit ?bereinander geschlagenen Beinen dort und es war, als ob sie eine Tinktur ?ber sich ergossen hatte, die Falten abwies. Das w?re einmal eine Idee, sagte er sich, wenn er genial genug w?re, so etwas zu erfinden, dann w?re er reich, dann k?nnte er ihr endlich einen Quadratmeter des Mondes kaufen, das ging n?mlich, das hatte er an diesem schw?len Tag neulich in der Zeitung gelesen und gleich an sie gedacht. Deshalb fragte er sie jetzt, ob sie den Mond mochte. Sie sagte nein. Gut, dachte er, dann lasse ich das mit dem Quadratmeter, doch er fragte sich, wie jemand den Mond nicht m?gen konnte, denn eigentlich mochte den doch jeder.

Er wusste nicht genau, was sie mochte. Sie hatte zwar einmal erz?hlt, sie mochte Kirsch-Eis, weil das so sch?n rot war, doch er konnte ihr ja nicht immer Kirsch-Eis schenken. Er wusste nicht, wo sie wohnte. Zumindest hatte er au?er auf der Stra?enkarte ihre Umgebung noch nie gesehen.

Einmal hatte sie ihn angerufen. Und geweint, das hatte er genau geh?rt, auch wenn sie es verneint hatte. Kann ich kommen, hatte sie gefragt. Und er hatte ja gesagt, h?tte auch ja gesagt, wenn sie ihn gebeten h?tte mit nach Gr?nland zu fliegen, jetzt, hier, heute Nacht, nur wir zwei, ganz allein... Er h?tte zu allem ja gesagt. Doch sie hatte nur kommen wollen und sie war auch gekommen und hatte keinen Hut aufgehabt, aber diesen einen gr?nen Regenmantel an, den er gerne an ihr mochte, von dem er immer das Gef?hl hatte, er komme direkt aus der Natur, er w?re ein Gras-Mantel oder ein Baum-Mantel, er war so sch?n gr?n. Als h?tten sich sogar die W?lder mit ihr verbunden und ihr ein Geschenk gemacht. Sie hatte an diesem Abend die Kapuze so weit in das Gesicht gezogen, dass er M?he hatte, ihre Augen zu sehen, die rot waren, Rot neben dem sch?nen Braun. Bitte, hatte sie gefl?stert, lass uns einfach nur warm halten. Und er hatte sie gehalten, gehalten, bis sogar die kalten Schluchzer weg gewesen waren, bis der Mantel auf dem Boden gelegen hatte und ihre Hose auch. Warm gehalten, bis alles warm wurde, sogar er, doch ihm wurde eigentlich immer warm, wenn er sie sah und auch in dieser Nacht und er hatte sich gef?hlt, als l?ge er neben einer W?rmflasche, die so perfekt war, dass sie nicht von au?en, sondern von innen w?rmen konnte. Sie hatte ihm nie erz?hlt, was vor dem Warmwerden passiert war, sie hatte nie erz?hlt, warum sie ?berhaupt gekommen war. Und er hatte nie gefragt.

Er wusste auch nicht, wer ihre Eltern waren oder ihre Geschwister, ob sie ?berhaupt welche hatte und vor allem wusste er nicht, ob er das wissen musste, ob es Vorschrift war, dass man so etwas wusste.

Also den Mond nun weglassen, das notierte er sich in seinem Kopf, eigentlich tat er das immer, wenn sie etwas sagte, nur jetzt noch besonders, weil er daran denken musste, sie zu fragen, warum sie keinen Mond mochte. Jetzt gerade konnte er nicht fragen, es war gegen die Regel, diese Regel mit nur zwei Fragen am Tag, sie mochte n?mlich keine Fragen und auch wenn sie die Regel nie ausgesprochen hatte, wusste er doch, dass sie da war. Sie stellte ihm nie Fragen. Nur einmal hatte sie ihn gefragt Liebst du mich? Und er hatte fast gelacht, weil sie es doch wissen musste, weil sie ihn doch kennen musste, doch er hatte nicht gelacht, sondern einfach ja gesagt. Und da hatte sie gelacht, erst ge-lacht und dann geweint und dann gek?sst. Und er war damit zufrieden, dass sie weinte, solange sie danach k?sste, denn auch wenn er nicht wusste, warum sie weinte, wusste er doch, warum sie k?sste. Er k?sste ja aus demselben Grund, um die gro?e, kalte Decke zu verscheuchen, die sich um den K?rper legte, sodass man kaum noch f?hig war, sich zu bewegen, sodass man nur noch schlafen und zittern konnte. Deshalb k?sste man, aus keinem anderen Grund und alles andere war eine L?ge.
Aber keinen Mond, das fand er schon sehr traurig, obwohl er sonst noch etwas erfinden m?sste, am besten die Faltenabweis-Tinktur. Und das konnte er ja sowieso nicht, er war nicht so genial, er w?rde es gerne sein, aber er war es eben nicht.

Ich m?chte, dass du mir deinen Hut schenkst, sagte er jetzt und sah sie an. Sie sah auf den Boden, wie immer, sie sah ihn eben nie an. Warum, fragte sie, mit einer solchen Bei-l?ufigkeit, dass er schon dachte, sie sei eine gro?artige Schauspielerin anstatt einer Spionin, denn die Spionin w?re doch misstrauisch geworden. Doch Schauspieler k?nnen alles. Nicht misstrauisch werden, wenn man es doch eigentlich ist und nicht weinen, wenn man es doch eigentlich m?chte und auch etwas wahrhaben, obwohl man das nicht so gerne hat.

Er hatte sie wohl irgendwann in der fr?hsten Kindheit kennen gelernt, zumindest verlor er mit ihr regelm??ig das Zeitgef?hl, sodass das wirklich stimmen konnte, seinem Empfin-den nach. Doch eigentlich war es anders gewesen, eigentlich war er vor einigen Monaten mit einem Taxi gefahren und sie hatte gesagt, hallo, wo m?chten sie denn bitte hin? Und er hatte gesagt, er w?sste es nicht mehr, weil ihn ihr Mund so starr gemacht hatte, so stumm und dumpf. Und dann hatte sie gelacht und hatte gesagt, sie w?sste es auch nicht und er hatte auch gelacht und jetzt waren sie eben zusammen. Alles ging so einfach manchmal.
Warum, fragte sie noch einmal, als er nicht antwortete.
Weil ich deine Augen so gerne habe, sagte er und sie sah hoch, nur kurz zwar, doch er hatte ihre Augen gesehen, es war, als h?tte sie ihm das zum Geschenk gemacht. Ich mag meinen Hut aber lieber als du meine Augen, sagte sie und lachte auf, ganz kurz nur, dann erhob sie sich. Ich muss jetzt gehen, sagte sie, etwas zu laut. Er stand auch auf. Nein, bleib noch hier. Nein, ich muss jetzt gehen. Bis Morgen. Warte, sagte er noch schnell und sie drehte sich wieder herum. Darf ich dir einmal den ganzen Mond kaufen, irgendwann, fragte er, auch wenn es heute schon die dritte Frage war. Nein, wenn, dann m?chte ich nur drei Quadratmeter, sagte sie, es muss eng und klein bleiben, der ganze Mond w?re doch viel zu gro?. Aber es ist kalt da oben, bei drei Quadratmetern kann man kein Haus bauen, sagte er. Und sie sagte, wir haben doch den Hut. Und dann lie? er sie endlich gehen, denn sie musste ja gehen, ob nun aus Not oder aus Verlegenheit, sie musste es eben.

Und ihm waren drei Quadratmeter Mond recht, denn Idylle konnte man sowieso ?berall genie?en, warm halten konnten sie sich auch gegenseitig und er wusste schlie?lich soviel ?ber den Mond, dass ihm klar war, der Hut w?rde nicht auf ihrem Kopf bleiben, son-dern irgendwo herumschweben und vielleicht einer Spionin auf den Kopf, die ihn drin-gender brauchte, denn sobald man einmal auf dem Mond ist oder den Mond besitzt, braucht man keine H?te. Da braucht man nur den Kuss, der die schwarze Decke verscheucht. Und den haben wir ja, dachte er und l?chelte. Und dann machte er sich doch an das Erfinden.

3.5.05 23:11


nicht gut gelaunt heute, zu fr?h aufgestanden zum beispiel, aber eigentlich ist das nicht der grund.
wenn ich gross bin, werde ich feuerwehrmann, w?rde ich gerne sagen und vor stolz strahlen. ich habe jetzt andere ideale, fr?her war es s?ss, heute ist es nur naiv. ich kenne ein kind, das ist ganz fasziniert von h?usern. ist dein haus gelb, hat er mich gefragt, und ich sagte nein, und da war er entt?uscht. und es ist einfach nur traurig, dass ich nicht gesagt habe, hey, eigentlich ist mein haus bunt. aber es hat ja nicht gestimmt, mein haus ist weiss. aber ich habe ihm versprochen mir mal ein gelbes haus zu kaufen. oder ein haus gelb anzumalen. wenn ich gross bin, ehrenwort.
und dann hat er mein haus gesehen und er hat gerufen, hey du hast mich doch angelogen, es ist ja doch sch?n und gelb. und ich habe genau hingesehen und immer noch kein gelb gesehen leider und seine mutter hat zu mir gesagt, ach, er spinnt manchmal.
und ich dachte nur, dass man spinnen muss, wenn man nicht gelb sieht.
ich sehe also jetzt gelb, alles ist gelb, mein haus mein auto mein pferd.
ist es komisch, wenn man sich von liedern angesprochen f?hlt? wenn man denkt, o gott, der singt ?ber mich, der kennt mich, er hat das lied eigentlich nur f?r mich geschrieben.
hm.
ich gehe jetzt wieder schlafen vielleicht.
6.5.05 11:06




ist der nicht ein bisschen sehr toll?
6.5.05 13:08


nacht.
halsschmerzbonbons.
musik.
decke.
(trotzdem kalt.)
nacht.
8.5.05 01:11


neuer hund ist da. er heisst bobby, ist f?nf monate alt, versteht sich mit unserem anderen hund sehr gut und seine familie musste ihn abgeben, weil die mutter schwer krank ist. es war sehr traurig gestern, wir waren da, heidenheim, vier stunden von uns entfernt, und die mutter hat nur geweint, die beiden kinder waren auch so traurig und hach, ich musste mich die ganze zeit daran erinnern, dass wir ja nicht die b?sen sind, die ihnen den hund wegnehmen. sie wollten ja, dass wir kommen, sie wollten ja, dass wir den hund mitnehmen. es muss.
aber der hund ist sehr toll, tiefschwarz, unsere andere h?ndin weiss. das passt gut, ein bisschen wie yin und yang, wenn sie so daliegen. hunde sind was tolles einfach.

heute sehr melancholisch leider, vielleicht zu wenig schlaf und zuviel aufregung gestern, daf?r heute zuviel rumgammelei.

ich lese soviel im moment, das kommt mir fast schon komisch vor, ein bisschen so wie flucht, und ich weiss nicht, ist es flucht, wenn man sich gerne in andere welten liest? oder ist es nur genuss?
hm.
kafkas prozess. und tintenherz von cornelia funke. und ein bisschen order of the phoenix, harry potter. weil bald kommt ja schon der sechste, da will ich vorbereitet sein.
16.5.05 18:40


ich h?tte manchmal gerne einen menschen in meiner unmittelbaren umgebung, der mit mir in metaphern spricht. oder meinetwegen auch in anaphern, oder alliterationen. alliterationen w?re sogar noch besser, etwas weniger poetisch zwar, aber etwas mehr lustig.
und er soll so mit mir sprechen, dieser mensch, um damit ein zeichen zu setzen. um damit zu sagen: leute, wenn ihr nicht erkennt was das ist, dann lest mehr. wenn ihr hiervon nichts versteht, dann seid doch so gut und schlagt manchmal den duden auf. honoriert die kunst, sie bringt euch weiter, sie gibt euch etwas. buchstaben sind nicht nur f?r mathematische variablen da. ich habe nichts gegen mathe, ich habe nur etwas gegen jene, die die vernunft oder die stumpfsinnigkeit vor die eindr?cke und gef?hle stellen, die musik h?ren, weil sie einen ganz netten hintergrund f?r das autofahren darstellt und die gedrucktes fast nur in form von fernsehzeitungen kaufen.
die nicht begreifen, dass leben mehr ist, als schlafen und essen.
dass man leben mit liebe ?bersetzen m?sste.
23.5.05 21:07





ja.
mein leben im moment.
ein bisschen geld.
ein bisschen nietzsche.
ein bisschen weinen.
ein bisschen lesen.
ein bisschen weltschmerz.
ein bisschen suizidgef?hrdet weil bestimmt irgendwann wieder jungfrau. haha.
und ein bisschen erstaunt, dass mein leben in vier zuf?llig aufeinandergestapelten objekten so perfekt hineinpasst.
ein bisschen traurig dar?ber leider auch.
26.5.05 23:02


es K?NNTE ja jetzt gerade mal jemand darauf aufmerksam werden, dass unter 'texte' links schon seit l?ngerer zeit ein neuer text ist und noch nichts und niemand einen kommentar darunter geschrieben hat.
bitte ):
ich ?berlege, ob ich den wegschicke, also zu einem wettbewerb oder so, aber daf?r brauche ich jetzt noch meinungen.
28.5.05 23:24





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